Seite auswählen

Draussen dröhnen Hupen, erboste Autofahrer machen ihrem Unmut
mit Hilfe eines erweiterten Geräuschorganes Luft.
Wie seltsam mir, als reinem Passiv-Autofahrer [*], scheint,
diese körperfremden, anorganisch-leblosen Dinge als eine Erweiterung menschlichen Körpers zu erfahren.

travelling without moving

Nicht mehr und nicht wenigererscheint es mir, denn auch
meinen Leib muss ich bewegen, da muss ich wissen wo er
beginnt und wo seine Grenzen sind. Da wie dort gibt
es geschicktere, ängstlichere, zaghaftere, waghalsige
und rücksichtslose Benutzer.

Diese Gedanken fuhren mir letztens ein, als ich einen
LKW Fahrer eines grossen Brummis mit Anhänger beim Rangieren
beobachtete. Der Mensch als Auto, Bus, Lastwagen, Zugsgarnitur,
Ballon, Flugzeug, Raumschiff. Wir bewegen uns in allen uns
Möglichen Dimensionen, mit der uns eigenen geschäftigen Hektik.

Wir leben komplet „entmenscht“, „artfremd“.

Eifern Werten hinterher, die sobald sie erreicht wurden schon wieder obsolet werden.
Warum befallen mich derartige Gedanken, wieso erscheinen
mir diese Dinge so absurd, das ich sie zu Papier bringen
muss? Nein doch es ist nicht einmal Papier, noch viel weniger
bloss eine Idee in einer Anhäufung von Chips. Manchmal
möchte ich mich mehr spüren, weniger verkompliziert sein.
Doch ich sehe die Alternative nicht plastisch vor mir,
mir ist nur klar, dass vieles anders lief, übertriebener
als gedacht. Das sobald etwas gutes Entdeckt wird es nicht
weniger als zu Schande verwendet und pervertiert werden muss.
Mich dreht es im Kreis und es denkt im Quadrat, ich will
weg von reinen Hirntheorien, Gedankenkonstrukten, Idealvorstellungen,
gestusst wie. Ich bin wirklich überfordert mit den Informations-
und Möglichkeitsangeboten. Lähmung und Unmöglichkeit resultieren
für mich daraus.

Meine Geräuschkulisse ist die breite Strasse
über die sich tagtäglich viele Autobesitzer in ihren Vehikeln
quälen und dann noch der Loop einer Webseite die ich offen habe,
der Ton liess sich nicht deaktiveren und ich bin zu bequem ihn
anderwertig abzuschalten. Ich beriesle mich bis meine Gehörorgane
versagen. Ich beriesle mich mit Information, bis mein Geist nachtgibt,
ich konsumiere mich bis ich mich verzehrt habe. In Gefahr in einer
statischen Kulisse nicht mehr als ein Statist zu sein, der nicht einmal
eine Sprechrolle bekam, oder gar ein Pappkamerad.

Ich möchte vieles gerne können, jeder sollte sich in allen Möglichen
Formen mitteilen können: Getöne, Gesang, Gespräch, Geschreibe, Gezeichne,
Geplänkel, Gespiele, Gekämpfe, Gemurks, Geforsche, bildGEhauere, Geschichte,
Gedichte, Gestik, Mimik. Geht eigentlich auch, doch sind die Ergebnisse
in den Feldern in denen ich nicht talentiert bin oft entmutigend.
Doch worum geht es? Zu gefallen? Mir selbst? Anderen? Verstanden zu werden?

Puh, Loop gestoppt, Winamp angefeuert und die bestehende Playlist verwendet.
Cirka 1/3 ist der Anteil der Englischen Wörter (Anglizismen) im vorigen Satz,
der grammatikalisch gesehen kein gültiger deutscher ist,
laut künstlerischer Freiheit schon. Sonst nur noch Regeln keine Kreativität.

Mir ist zum Schreiben zu Mute, oder habe ich ein B zuviel?
Was fange ich bloss mit dir an Mann im Mond. Entspanne dich
weiter nichts, keine Notwendigkeit zur Produktivität, kommt
schon noch früh genug. Jedem seinen angestammten Platz in dieser
unserer Gesellschaft. Da nimm dankbar die Brocken, die vorgeworfenen,
lass daraus keinen Vorwurf erwachsen, andere kriegen bloss noch die
Reste, für mehr ist noch weniger da.

Die modernen Götzen, unser Messias die Information, was ist die Einheit der Information? Das Bit, Geld, Wissen, oder was ganz anderes?

[*] Dieser Eintrag ist durch ein Zeitloch aus der Vergangenheit erschienen, aus einer Zeit als ich noch nicht Auto fuhr.